Wenn der Tatendrang nachlässt – Selbstmotivation im freiwilligen Engagement

Svenja Möllersmann ist Dipl. Psychologin und zertifizierte Coachin. Mit Freude am Coaching und einer guten Portion Humor unterstützt die Hanseatin bei Tatendrang Freiwillige bei der Selbstmotivation im Engagement. Als Teil unseres 6-köpfigen Beraterinnen-Teams kennt sie die Fragen und Unsicherheiten von Freiwilligen in ihrem Engagement. Wir haben Sie nach Tipps gefragt, wie es in einem Engagement gelingen kann, langfristig mit Freude dabei zu sein.

Schauen Sie zurück: Was hat Sie am Anfang am Engagement begeistert?

Vielleicht kennen Sie das auch? Sie haben sich voller Tatendrang in Ihr freiwilliges Engagement gestürzt. Doch das ist schon eine ganze Weile her. Ihre Motivation ist nicht mehr dieselbe? Wer sich freiwillig engagiert, tut dies aus eigenen Beweggründen heraus. Wenn die Begeisterung Sie nicht mehr mitnimmt, werden Sie sich klar, was Sie damals und auch heute bei Ihrem Engagement motiviert. Hilfreich können Fragen sein wie:

• Was tue ich selbst gerne? Was kann oder will ich weitergeben?
• Habe ich Freude am Tun? Was bereitet mir Spaß?
• Erwarte ich Dankbarkeit? Erhalte ich sie auch?
• Mag ich das Gefühl des „Gebrauchtwerdens“?
• Brauche ich Wertschätzung für meine eigene Motivation?
• Möchte ich der Gesellschaft etwas „zurückgeben? Möchte ich meinen Beitrag leisten?

Überlegen Sie: Was motiviert mich?

Aus der Motivationsforschung ist bekannt, dass es letztlich drei Faktoren sind, die uns auf längere Sicht motivieren und „dranbleiben“ lassen: Autonomie, Fortschritt/Entwicklung und Sinn.

Autonomie meint die Möglichkeit, Aufgaben selbst gestalten zu können. Gerade im freiwilligen Engagement entscheide ich mich in der Regel für Tätigkeiten, die mit meinen Interessen und Stärken übereinstimmen . Ich kann mitbestimmen, wann und in welchem Umfang ich meine Aufgabe erledige. Die Möglichkeit der Mitgestaltung wirkt motivierend und hilft über kurzfristige Motivationstiefs hinweg.

Fortschritt und persönliche Weiterentwicklung erleben die meisten Menschen als motivierend. Sind Aufgaben, die Einrichtung und andere Menschen im freiwilligen Engagement zunächst neu und ungewohnt, gewöhnen wir uns mit der Zeit daran. Wir werden routinierter und besser. Oftmals erleben wir ganz direkt den Fortschritt unserer eigenen Fähigkeiten. Kleine Erfolge – eigene oder etwa die eines Lesekindes – wirken wie „Motivationskicks“. Wir sind beflügelt und halten an unserer Aufgabe fest.

Sinn – die Frage nach dem Sinn, der Bedeutung meines Tuns – stellt sich früher oder später und ist für unsere Motivation von entscheidender Bedeutung. Dabei muss es nicht gleich um den Weltfrieden oder die Rettung des Planeten gehen. Sinn kann direkt erlebt werden, wenn ich z.B. im Besuchsdienst merke, dass sich der/die besuchte Senior:in freut, wenn ich da bin. Und meine Anwesenheit für diese Person einen Unterschied macht. Spüre ich, dass meine Aufgabe – und sei sie noch so klein – einen Beitrag zu einer größeren, mir wichtigen Sache leistet, bin und bleibe ich aus mir selbst heraus motiviert.

Wenn es einmal schwierig ist: Erwartungen und Wünsche ansprechen

Auch im freiwilligen Engagement kann es zu Situationen kommen, die eine Zusammenarbeit schwierig machen. Die Gründe dafür sind vielfältig, lassen sich aber häufig auf nicht geklärte oder sich ändernde Erwartungen zurückführen. Hilfreich ist dann, sich über die eigenen Wünsche und Vorstellungen bewusst zu werden und das Gespräch darüber zu suchen. Vielfach lässt sich allein durch den Austausch selbst eine Lösung finden, z.B. ein anderer Einsatztag oder -rhythmus; vielleicht auch der Wechsel in eine andere Aufgabe.

Bitte geben Sie nicht einfach auf. Machen Sie sich die Gründe für Ihre Unzufriedenheit bewusst, suchen Sie das Gespräch und überlegen Sie gemeinsam mit ihr:er Ansprechsprechpartner:in, was sich ändern ließe.

10 Punkte-Plan zur Selbstmotivation im Engagement:
1. Geeignete, klare und realistische Zielsetzungen formulieren
2. Ziel visualisieren: Wie sieht es aus? Wie fühlt es sich an?
3. Eine To-do-Liste führen (für welche To dos?)
4. Erfolge sichtbar machen: Erfolgstagebuch führen, Strichliste…
5. Vorbild(er) und/ oder Gleichgesinnte suchen
6. professionelle Unterstützung nutzen
7. Belohnen Sie sich (möglichst sofort, immer wieder), z.B. mit Entspannung durch Joggen oder einem Gespräch mit einer vertrauten Person
8. Persönliche Stärken erkennen und nutzen
9. Eigene Werte leben: Was ist mir wichtig?
10. Erwartung eines positiven Resultats: Was könnte das sein? (Lob, Zielerreichung…?)

Auch bei einem freiwilligen Engagement gilt: Der Weg ist das Ziel. Haben sie Freude am Tun!

Austausch und gegenseitige Motivation in der TATENDRANG-Community

Mit „Volunteer Match“ und der geschlossenen Facebook-Gruppe „TATENDRANG-Community“ haben wir zwei Möglichkeiten geschaffen, wie Sie sich mit anderen Freiwilligen austauschen und sich gegenseitig motivieren können. Werden SieTeil unserer TATENDRANG-Community.