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Mit dem Begleiteten Umgang Kindern beide Elternteile ermöglichen

Monika – 59 Jahre

Monika engagiert beim Begleiteten Umgang

Podcast

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Sie hat ein Herz für Kinder und ist selbst zweifache Mutter. Monika engagiert sich seit 2020 beim Begleiteten Umgang.

Monika engagiert sich ehrenamtlich beim begleiteten Umgang für Trennungskinder
Foto: Melina Aulinger
Was hat Dich dazu motiviert, freiwillig aktiv zu werden?

Ich bin über TATENDRANG zu meinem Ehrenamt beim Begleiteten Umgang gekommen. Seit 2019 berate ich bei TATENDRANG Ehrenamtliche. Dort habe ich auch die Einrichtung „Begleiteter Umgang“ kennengelernt. Das Thema hat mich sofort interessiert und auch nicht mehr losgelassen. Kinder und Familie sind auch meine Herzensangelegenheit. Nach einem ersten Kennenlernen wusste ich schon, das ist mein Ding. Seitdem bin ich dabei.

Wo engagierst Du Dich und was machst Du dort genau?

Ich beschreibe den Begleiteten Umgang gerne als Schutzraum für die Kinder: Wir begleiten Kinder beim Treffen mit dem getrenntlebenden Elternteil, wenn zwischen den Eltern kein normaler Umgang möglich ist. In ihm können Kinder ihren getrenntlebenden Elternteil treffen. Die Kinder sind im Alter von 2-10 Jahren. Wir betreuen die Familien meist über ein halbes, manchmal auch bis zu einem Jahr. Solange bis sich der Kontakt wiederaufgebaut und stabilisiert hat und danach ohne uns stattfinden kann.

Bei uns in München haben wir dazu eine ganz gewöhnliche 3-Zimmerwohnung, in der die Treffen stattfinden. Hier gibt es ein Kinderzimmer, in dem sich das Kind wohl fühlt und entspannt spielen kann. Im Sommer gehen wir auch gerne mal raus. Oft haben sich Kind und getrenntlebender Elternteil länger nicht gesehen. Hier können sie Schritt für Schritt wieder eine Beziehung aufbauen. Ein Treffen dauert ungefähr zwei Stunden. Meist bringt die Mutter das Kind, das bei uns den Vater ohne ihre Anwesenheit auf neutralem Boden trifft. Das Kind spielt die Hauptrolle, während die Konflikte zwischen den Eltern hier keinen Raum finden.

Ich sehe mich als Anwalt des Kindes: neutral und unparteilich. Meine Rolle ist die der stillen Beobachterin. Ich bleibe im Hintergrund und bringe mich nicht aktiv ins Geschehen ein. Aber: ich achte darauf, dass die vereinbarten Regeln eingehalten werden. Während des Treffens mache ich mir Notizen: Wie läuft der Umgang? Wie gestaltet sich das Miteinander? Wie spielen die beiden zusammen? Diese halte ich nach jedem Treffen in einem Protokoll fest.

Ich bin alle 14 Tage für einen Nachmittag im Umgang. In der Regel betreut man eine Familie über den gesamten Zeitraum als Ehrenamtliche. Wir sind ein Team von ca. sechs Freiwilligen und drei Hauptamtlichen.

Vor meiner Tätigkeit im Begleiteten Umgang habe ich erstmal hospitiert und Hauptamtliche begleitet.

So konnte ich für mich herausfinden: Ist das was für mich? Ich denke es ist wichtig, nicht „blind“ in eine Aufgabe mit diesem Anspruch hineinzulaufen. Daher habe ich dann eine Ausbildung zur zertifizierten Umgangsbegleiterin gemacht. Ich habe selbst zwei Kinder groß gezogen und damit Erfahrung mit Erziehung. Die Ausbildung war sehr spannend und lehrreich. Ich habe sehr viel über die Lösung von familiären Konflikten gelernt.
„On the Job“ bin ich nie allein gelassen: Ich kann mich an die hauptamtlichen Kolleginnen wenden, wenn ich Rat und Unterstützung brauche. Auch unter den Kollegen findet einmal im Quartal ein Austausch statt – nach Covid auch hoffentlich wieder persönlich.

Welchen Gewinn siehst Du für Dich selbst?

Ich bin Zwillingsmutter und 30 Jahre glücklich verheiratet. Die Freude und das Glück, das ich in meiner Familie erlebe, will ich gerne teilen mit Kindern, die es vielleicht nicht so gut haben. Mich hat die Frage angetrieben: Was kann ich persönlich tun? Wo kann ich dazu beitragen eine glückliche und stabile Beziehung zwischen Kind und Eltern aufzubauen?

Mich macht es zufrieden, wenn ich an einem meiner Nachmittage miterlebe, wie Kind und Elternteil wieder fröhlich und unbekümmert miteinander spielen.

Welches Erlebnis, welche Erfahrung war für Dich besonders überraschend oder berührend?

Lange Zeit – 4 Jahre – nach einem Begleiteten Umgang schrieb mir ein Kind:

Ich habe wieder Kontakt zu meinem Vater, das wäre ohne Euch nie zustande gekommen.

Das erfüllt mich mit Freude und dann weiß ich: Ja – hier bin ich genau richtig.

Welche Tipps hast Du für andere Menschen, die sich auch engagieren möchten?

Seid offen, schnuppert rein. Es gibt so viele Möglichkeiten, die Bandbreite ist riesig. Man sollte auch den Anspruch an sich selbst nicht zu hoch setzen: es gibt jede Menge Unterstützung von TATENDRANG und den Institutionen das Richtige zu finden und in die Aufgabe hineinzuwachsen. Auch wenn es nur eine Stunde die Woche ist, die Du neben deinem Job ins Ehrenamt investierst: Wenn es die richtige Tätigkeit ist, ist es auch neben dem Job eine schöne Chance. Das Gefühl raus zu springen aus dem Hamsterrad, wenn Du etwas machst, was Dir wirklich Spaß bringt und Dir die Augen für ganz andere Lebensbereiche öffnet.

Probiert aus. Schaut, was Euch wirklich Freude bereitet. Wo die Chemie stimmt. So findet jede die Tätigkeit, die zu ihr passt. Freiwillige werden hier immer gesucht, gerade auch für die Treffen an Wochenenden oder auch als Springer ohne „feste“ Familie.

Ich kann für mich sagen:

Meine ehrenamtliche Tätigkeit hat mein Leben bereichert und ich freue mich auf all die weiteren Schritte, die ich noch gehen werde mit den unterschiedlichsten Menschen, die mir hier begegnen.

Wenn man Dir zuhört, kriegt man richtig Lust, mitzumachen. Das war ein sehr schönes Gespräch, vielen Dank für Deine Zeit!

„Ich kann für mich sagen: Durch meine ehrenamtliche Tätigkeit bin ich „angekommen“ in meinem Leben. Ich freue mich, gleichzeitig auf all die Schritte, die ich noch gehen werde – mit den unterschiedlichsten Menschen, die mir hier begegnen.“

Autor:in: Melina Aulinger
Gespräch vom: 24.02.2022

Hier ist Monika ehrenamtlich engagiert

Begleiteter Umgang
Wir achten darauf, dass es den Kindern gut geht.

Vater spielt mit Kind - Begleiteter Umgang
Vater spielt mit Kind - Foto: Canva
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