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Seniorenstift Neuhausen

Blinde Senior:innen in der Freizeit begleiten
Freiwilliger schreibt Brief für blinde Seniorin
Freiwilliger schreibt Brief für blinde Seniorin | Foto: Immanuel Rahman

Organisations Profil:

Engagement-Bereiche:

Seniorinnen und Senioren

Einsatzart:

langfristig und regelmäßig

Webseite:

Das Seniorenstift Neuhausen ist mit 89 Betten eine relativ kleine und damit überschaubare Pflegeeinrichtung. Ein großer Garten mit duftenden Blumen, Kräutern, Sitzmöglichkeiten und einem Hasenstall lädt zum Verweilen ein. Da die Bewohner:innen blind oder stark sehbeinträchtigt sind, ist jeder Gartenbesuch eine kleine Herausforderung. Mit Hilfe von Handläufen, die sich im gesamten Haus, wie auch im Garten befinden, ist dies jedoch möglich. Auch Ehrenamtliche unterstützen bei Ausflügen in den Garten oder in die nähere Umgebung.

Ehrenamtliche bringen Highlights in das Leben der Senior:innen

Annette Baier ist seit 2019 im Haus und für die Pflegeüberleitung zuständig. Sie sorgt dafür, dass sich neue Bewohner:innen im Heim gut einleben und wohl fühlen. Sie ist auch Ansprechpartnerin für die Ehrenamtlichen im Haus, eine Aufgabe, die ihr sehr wichtig ist:

„Die Welt wird für unsere Bewohner:innen immer kleiner und die Freiwilligen sorgen für die Highlights in ihrem Alltag.“

Die zumeist weiblichen Bewohner:innen des Seniorenstift Neuhausen sind vielseitig interessiert und aktiv. Aber auch die Männer lassen sich für die unterschiedlichsten Dinge motivieren. Es gibt einen Chor, eine Trommelgruppe, eine Strickgruppe, einen Männer-Stammtisch, eine Feldenkrais- und eine Sitzgymnastik-Gruppe und einen Lyrikkreis. Oftmals sind es Ehrenamtliche, die ihr Hobby zum Ehrenamt machen. „Gebastelt wird aktuell nicht“, erklärt Annette Baier, „aber wir würden uns sehr freuen, wenn sich Freiwillige dafür finden. Auch die Rätselgruppe sucht noch Verstärkung.“

Der Weg nach draußen ist für viele blinden Bewohner:innen eine Herausforderung. Sie sind froh, wenn sie Ehrenamtliche dabei begleiten – und sich dabei auch mit ihnen unterhalten. „Was uns fehlt sind Begleitungen zum Einkaufen und zum Arzt in allernächster Umgebung. Das geht in der Regel zu Fuß.“ erklärt die Freiwilligen-Koordinatorin. Terminlich sei das für die Freiwilligen unproblematisch, betont sie. „Sie können die Termine aussuchen. Sie rufen selbst beim Arzt an, je nach ihren ganz speziellen Möglichkeiten. Der Bewohner/die Bewohnerin können sich dann nach den Ehrenamtlichen richten.“

Kreative Angebote von Ehrenamtlichen sind im Seniorenstift Neuhausen willkommen

In den Sommermonaten organisiert das Team des Seniorenstifts Neuhausen Ausflüge in die Umgebung. Zusätzlich gibt es regelmäßig hausinterne Feste, die Abwechslung in das Leben der Bewohner:innen bringen. Auch für diese Aktivitäten werden stets Freiwillige gesucht. Sie helfen dann Kaffee auszuschenken, Kuchen zu verteilen und unterhalten sich mit den Senior:innen. Besonders leuchtende Gesichter gibt es bei musikalischen Darbietungen. Auch hier sucht Annette Baier immer wieder Menschen, die Freude daran haben, ihr Talent ehrenamtlich zur Verfügung zu stellen. Ob begleitet auf dem Klavier, der Blockflöte, dem Akkordeon oder der Gitarre – beim Singen von Volksliedern und Schlagern sind die Bewohner:innen des Pflegeheims alle mit Begeisterung dabei.

lyrikstunde im seniorenheim mit ehrenamtlichem
Hans-Georg leitet eine Lyrikstunde | Foto: Immanuel Rahman

Ausführliche persönliche Gespräche sind etwas Besonderes. Viele der Senior:innen sind geistig noch fit und können viel Spannendes aus ihrem langen Leben erzählen. Doch sie sind trotzdem manchmal einsam und wünschen sich Menschen, die sie regelmäßig besuchen, mit ihnen sprechen und gemeinsam etwas unternehmen. „Viele unserer Bewohner:innen haben keine Familie oder die Kinder sind so weit weg, dass sie sich nicht regelmäßig kümmern können,“ erklärt Annette Baier. Die Besuche von Ehrenamtlichen seien für die Senior:innen immer etwas Besonderes. „Sie freuen sich schon Tage im Voraus darauf und schwärmen auch danach noch lange von diesem schönen Erlebnis.“ Wichtig sei, so Annette Baier, sich Zeit zu nehmen.

„Die Senior:innen sprudeln nicht sofort los, es braucht eine gewisse Zeit, bis sie Vertrauen fassen. Ehrenamtliche sollten deshalb auch Geduld mitbringen.“

Interessierte Freiwillige können erst einmal bei einem Gruppenangebot mitmachen und so das Haus und die Bewohner:innen kennenlernen. Von Annette Baier und ihrem Team erfahren sie alles, was sie für ihr Engagement wissen müssen. „Wir erklären und zeigen den Freiwilligen den Umgang mit blinden Menschen,“ bestätigt die Freiwilligen-Koordinatorin. Ihr ist es auch sehr wichtig, dass sich die Ehrenamtlichen bei ihrem Engagement wohlfühlen. „Wir möchten, dass die Ehrenamtlichen unser Haus zufrieden verlassen und dass ihnen das Engagement ebenfalls etwas gibt.“ Deshalb spricht sie am Anfang erst einmal ausführlich mit jede:r Interessent:in.
„Gemeinsam schauen wir, welches Engagement, welches Angebot und natürlich auch welche:r Bewohner:in gut passen könnte.“

hans-georg begleitet die sehbehinderte senior:in

Wichtig ist ihr ein regelmäßiges (mindestens alle 2 Wochen) und längerfristiges Engagement. Gruppenangebote sind unter der Woche Vor- und Nachmittags. Besuche sind sieben Tage in der Woche möglich. Um 17.45 Uhr enden die meisten Aktivitäten. Nach dem Abendessen sind die Bewohner:innen in der Regel zu müde für Besuche.

Die Freiwilligen sind immer wieder fasziniert von den spannenden Menschen und Biografien, denen sie im Seniorenstift begegnen. Auch Annette Baier ist von ihrer Aufgabe begeistert. „Ich habe das Gefühl, ich kann mit unseren Angeboten und dem Engagement der Freiwilligen wirklich etwas für die Bewohner:innen tun,“ erklärt sie.

„Wir möchten den Menschen einen Tag bescheren, von dem sie abends sagen: das war heute schön“.

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Unsere Autorin Renate Volk
Autor:in: Renate Volk
Gespräch vom: 03.08.2023

Ehrenamtsgeschichten über die Organisation

Im Seniorenstift Neuhausen mit Lyrik Freude schenken

Hans-Georg – 69 Jahre

Ehrenamtlicher Hans-Georg
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